Veranstaltungen - September 2009

Intelligente Technik vernetzt Ärzte, Nutzer und Wohnungswirtschaft

 

28. September 2009 - Zu Beginn der Veranstaltung QDS@ehealth - Inno-vative Technik für altersgerechtes Wohnen, die am 24. September 2009 stattfand, konnte sich kaum einer der 35 Gäste etwas unter dem Begriff "Innovative Technik" vorstellen. Das IT- und Elektrounternehmen Q-Data Service hatte Ärzte, Architekten, Ingenieure, Fachleute aus dem Gesundheits- und Pflegebereich sowie potenzielle Nutzer in das Kom-petenzzentrum für intelligentes Wohnen in Hamburg eingeladen, sich über die (noch) unbekannte Technik zu informieren. 

Dem Veranstalter ging es vor allem darum, anschaulich zu zeigen, welchen Mehrwert der Einsatz intelligenter und vernetzender Technik im Wohn- und Gesundheitsbereich allen Beteiligten bietet. Schon nach den einleitenden Worten von Geschäftsführer Reinhard Heymann, Q-Data Service, kurz QDS, und von der Vertriebsbeauftragten Ute Lehmann, wurde deutlich: Innovative Technik bedeutet, bauliche und technische Gegebenheiten so zu gestalten, dass sie altersunabhängig benutzt bzw. bedient werden können. Universelles Design und Barrierefreiheit sind die Stichwort für zukünftiges Bauen und Wohnen. Das betonte auch Karin Dieckmann, Geschäftsführerin von Barrierefrei Leben e. V. aus Hamburg, in ihrem kurzen Vortrag. Der Verein informiert seit 15 Jahren über Wohnraumanpassung und berät über barrierefreies Bauen. Über Nachfragen kann sich der renommierte Verein nicht beklagen. Der Beratungsbedarf nicht zu, auch im Bereich der technischen Unterstützung in Alltagssituationen. Einziges Handicap: Gerade für den elektrotechn-

ischen Aus- und Umbau gibt es zu wenig beratendes Personal bzw. Anlaufstellen in der Stadt.

Das Gesundheitswesen ist im besonderen Maße von der Technologisier-

ung betroffen, auch wenn sich an vielen Stellen Widerstand regt und Fragen bezüglich der Kompatibilität der Systeme, des Datenschutzes und der Kostenübernahme bzw. -beteiligung von Seiten des Versicherungs-

trägers geklärt werden müssen. Die IT-Unternehmen InterComponent-Ware AG (ICW) und GLP Networks AG bieten Softwarelösungen zur Dokumentation und Übermittlung von Kranken- und Patientendaten, die den Austausch zwischen den Beteiligten (Arzt, Facharzt, Krankenhaus, Pflegedient und Apotheke) wesentlich vereinfachen. Die Bedienober-

fläche der vorgeführten Software ist gängigen Programmen nachem-pfunden, so dass nur eine kurze Einarbeitungszeit benötigt wird, um sie fachgerecht zu bedienen. Der Erwerb der Software erfolgt nach der üblichen Liszensierungsverfahren. Der Prozessablauf in Arztpraxen und Kranken-häusern könnte durch den Einsatz beschleunigt werden, so versichern die Entwickler. Mit der Behandlung des Patienten könnte schneller begonnen werden. Momentan befinden sich die telemedizi-nischen Dokumentationssysteme in der Erprobungsphase. Doch auch wenn sie einwandfrei funktionieren und sich als optimierend erweisen, bleibt abzuwarten, wie sich das Thema "Elektronische Gesundheits-karte" entwickeln wird.

Für die Technologiefirma Cibek standen bei der Konzeption einer intelligenten Gebäudetechnik für ein Mietwohnungsobjekt (!) die Bedürfnisse der Nutzer im Vordergrund. Die Aufgabe bestand darin, den Wohnungen eine technologische Gebäudeinfrastruktur zu geben, die jeden Mieter in die Lage versetzt, die vernetzende Technik individuell zu nutzen und nach seinem Bedarf auch auszubauen. Bernd Klein,Geschäfts-

führer von Cibek, denkt bereits weiter. Für ihn besteht der unmittelbar nächste Schritt darin, den Massenmarkt für intelligente Wohntechniken zu öffnen. Dies kann durch Plug-and-Play-Komponenten erreicht werden, die später in Elektronikmärkten angeboten werden, so der Ingenieur für technische Informatik.

Wie einfach die Anwendung von telemedizinischen Geräten ist, zeigten die Firmen FONIUM und Zydacron. Mit dem BUTLER hat die Firma FONIUM ein "Servicehandy" entwickelt, das gerade älteren Menschen das Gefühl von Sicherheit innerhalb und außerhalb der Wohnung vermittelt. Das Geheimnis des BUTLERs ist ein dreistufiges Ortungssystem, das Personen auch in geschlossenen Räumen anpeilen und darin orten kann. Momentan befindet sich das Gerät in Amsterdam in der Erpro-

bungsphase, um die Auswirkung von sehr dichter Bebauung auf das Signal zu testen. Aus Österreich angereist, stellte Laurent Kolly die Funktionsweise von BETAVISTA vor. Das System, bestehend aus einer vorkonfigurierten Box, die an den internetfähigen Fernseher angeschlos-

sen wird und diversen medizinischen Messgeräten, ermöglicht auf intuitive Weise den "virtuellen Hausbesuch" des Arztes sowie die Online-Übertragung von medizinischen Daten. Hierzu nimmt sich der Patient die entsprechenden Vitaldaten wie Blutdruck, Blut oder Herztöne mit dem entsprechenden Gerät selbst ab und übermittelt sie dann via Fernseher an den Arzt. Unnötige Wege und Wartezeiten entfallen für beide Sei-ten. Die Einbeziehung des vertrauten und überall vorhandenen TV-Gerätes in den telemedizinischen Prozess, könnte der Akzeptanz för-

derlich sein. 

Dass es der Wohnungswirtschaft trotz intelligenter Wohntechnik vor allen Dingen um eine gute und vertrauensvolle Nachbarschaft geht, machte Iris Beuerle vom Norddeutschen Verband der Wohnungswirtschaft (VNW) in ihrem Vortrag deutlich. Technik ersetzt keine menschliche Nähe, so ihr Fazit.

 

Marianne Paszeitis, Vorsitzende des Senioren-Beirats Altona, brachte das Thema der Veranstaltung mit ihrer Definition von "Alt" auf den Punkt. "Ich halte diese ganzen Begriffe wie Silver Surfer oder Golden Ager für totalen Quatsch! Wir wollen aktiv am Leben teilhaben, genauso wie alle anderen." Nachdem sich die Vorsitzende von der einfachen Anwend-

ung überzeugen konnte, hat sie weniger Scheu vor den Geräten. Ihrer Ansicht nach, müßte es öfters derartig gezielte Informationsveranstalt-

ungen für Senioren in Hamburg geben. Auch die übrigen Gäste hatten einen durchweg positiven Eindruck von den Einsatzmöglichkeiten gewon-

nen. Es wäre gut, sagten einige, wenn sich viele Interessierte für diese Techniken begeistern könnten und dann später anwenden, damit der Gedanke der Vernetzung nicht alleine virtuell, sondern auch durch persönliche Kontakte weitergetragen wird. Nur die branchenübergreif-ende Nutzung macht Sinn.

 

Die nächste Veranstaltung soll voraussichtlich im Frühjahr 2010 statt-finden.