© Reinhard Heymann
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Der Smart Home-Nutzer gehört in den Vordergrund, nicht die Technik!

 

Irgendwie ist es seltsam: Wenn von Smart Home die Rede ist, dann fallen spätestens im fünften Satz die Wörter "fehlende Standards" und "keine Standardisierung". Wird je über technische Details diskutiert, wenn es um den Kauf eines Autos geht? Nein. Wie der Fensterheber funktioniert, interessiert den Kunden nicht die Bohne. Ob die Sitzheizung über Schnittstellen verfügt, ist ihm völlig egal. Und was sich im Verbrennungsmotor abspielt, will er nicht wissen. Wozu auch? Hauptsache der Wagen fährt, bietet Komfort und entspricht dem, was er sich wünscht.

 

Nutzer erwarten eine Lösung

 

Der Wunscherfüller ist meist ein Autohaus. Hier wird beraten, abgewogen, ausgewählt und schließlich gekauft. Sollte später mal ein Problem am Fahrzeug auftreten, hilft die Vertragswerkstatt. Durch die jährliche Grundinspektion erhält der Kunde die Sicherheit, dass technisch alles in Ordnung ist. So weit, so gut. Nur: Warum gibt es diese Kette der Beteiligten nicht auch im Bereich von Smart Homes? Die dazu notwendigen Akteure sind jedenfalls alle vorhanden: Hersteller, Produkte, Planer, Elektrohandwerker, Systemintegratoren und sogar IT-Sspezialisten. Was allerdings zu fehlen scheint, ist das Verständnis für den Nutzer. Er erwartet eine Lösung und nicht, dass er von Pontius zu Pilatus laufen muss oder gar einen elektrotechnischen Grundkurs zu absolvieren hat, um die Technik eines Smart Homes zu verstehen. Kann es nicht "Autohäuser für Smart Homes" geben?

© Reinhard Heymann
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Der "technische Architekt" wird gefordert

 

Auf dem 7. Kollogium des Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI), das Anfang November 2016 in Frankfurt/Main stattfand und sich primär mit dem Internet der Dinge und der Cyber-Security von Gebäudeautomationssystemen beschäftigte, wurde auch über das fehlende Zusammenwirken der Beteiligten diskutiert. Die Trennung der Gewerke sei ein Hindernis, sagte Systemintegrator Uwe Buchmann in einer Talkrunde, und plädierte für den "technischen Architekt", der gewerkeübergreifend planen könne. Spezielle Schulung für den "Smart-Werker" forderte wiederum Arne Feldmeier, Geschäftsführer von iExergy.

 

Dass die Nutzerperspektive stärker im Vordergrund stehen müsse, darauf wies Johannes Hauck hin, zuständig für das Corporate Business Development der Hager Group, und brachte die Kundenorientierung von Google und Apple ins Spiel. Diese hätten allerdings nicht das Fach- und Branchenwissen. Ein Vorteil, den der Mittelstand nutzen solle, indem er einen Mittelweg zwischen dem Verkauf von Investitionsgütern und digitalen Angebotsplattformen finde. Mit anderen Worten: Auch die Werthaltigkeit bzw. Zukunftsfähigkeit eines vernetzten Gebäudes muss deutlicher vermittelt werden. Sicherlich ein wichtiger Aspekt. Doch auch nicht ganz so neu. Denn immer mehr Bauherren stehen Smart Homes aufgeschlossen gegenüber. Was fehlt ist eine produktübergreifende , unabhängige Beratung, also tatsächlich eine Art "technischer Architekt".

 

Standards sind nur für die Branche interessiert

 

Die Diskussion um einen einheitlichen Smart Home-Standard verfolgt Reinhard Heymann, Geschäftsführer der QDS, seit Jahren. "Bis auf die Branche selbst, interessiert der jedoch niemanden. Schon gar nicht die Bauherren", berichtet er aus der Praxis. Die meisten wollten ein komfortables Zuhause, keinen Technik-Tempel. Wenn der Kunde zu ihm komme, erwarte er eine umfassende Beratung, die Berücksichtigung seiner Vorgaben, eine Kostenabschätzung und im Idealfall ging es dann an die konkrete Umsetzung. "Auf welchen technischen Standards die Komponenten basieren, ist dem Kunden gleich. Die Hauptsache ist, dass das System auf seine Wünsche zugeschnitten ist und zuverlässig funktioniert." Die Idee, einen "technischen Architekt" ins Leben zu rufen, findet der Smart Home-Fachmann höchst interessant. Dann gäbe es einen Verantwortlichen, der von Beginn an den Hut auf hat und die technische Planung leite, überwache und bis zur Inbetriebnahme dabei ist.

 

Wartung von Smart Homes als neues Geschäftsfeld?

 

Ein weiteres Handlungsfeld, dass bisher kaum berücksichtigt werde, sei die zukünftige Wartung von Smart Homes. Wer ist später der Ansprechpartner, wenn es darum geht, Updates zu installieren, eventuell vorhandene Sicherheitslücken in der Software zu patchen und regelmäßig die IT-Sicherheit zu überprüfen? Hier sieht Heymann die weitaus größere Herausforderung, als über Standards zu diskutieren. "Noch befinden sich die meisten unserer Gebäude im analogen Zeitalter und wir haben die Möglichkeit zu überlegen, wie wir sie im digitalen Zeitalter planen, bauen und betreiben wollen. Das gelingt jedoch nur, wenn wir die Technik endlich von der Nutzerseite betrachten. Denn die erwarten von uns Sicherheit, Komfort und Funktionalität." Durch das Internet der Dinge werde die IT-Sicherheit von Smart Homes ohnehin virulent und die permanente Wartung wahrscheinlich. Er überlege deshalb zur Zeit, ob und wie zukünftig mögliche Servicelevels für die Maintenance von Smart Homes aussehen könnten. Das Thema Smart Home wird 2017 also erst richtig spannend.

 

 

 


 

Text: Dagmar Hotze

Fotos: Reinhard Heymann