Das Aktiv-Stadthaus in der Frankfurter Speicherstrasse | Bildrechte: ABG
Das Aktiv-Stadthaus in der Frankfurter Speicherstrasse | Bildrechte: ABG
Architektonisch ein Hingucker und energetisch ein Meilenstein | Bildrechte: ABG
Architektonisch ein Hingucker und energetisch ein Meilenstein | Bildrechte: ABG

Das Aktiv-Stadthaus in Frankfurt setzt Maßstäbe

 

Am 16. Mai 2017 fand das von der Zebau veranstaltete Hamburger Fachforum "Bauen und Wohnen 2017" im Empire Riverside Hotel statt, das der Frage nachging, wie zugleich wirtschaftlicher, effizienter und nachhaltiger Wohnungsbau gelingen kann. Neben den Klimaschutzielen und dem Entwurf des neuen Gebäudeenergiegesetzes (GEG) standen gebaute Beispiele im Fokus der ganztätigen Veranstaltung, zu der sich rund 100 TeilnehmerInnen aus Architektur, Ingenieurwesen, Wohnungswirtschaft sowie Politik und Verwaltung eingefunden hatten.

 

Das Highlight des Tages war der Vortrag von ABG-Geschäftsführer Frank Junker, der das Aktiv-Stadthaus in Frankfurt/Main vorstellte. Das innerstädtische Wohngebäude gilt als Meilenstein auf dem Weg zu einem energiebewussten Wohnkomfort im 21. Jahrhundert. Zu den Eckdaten: Erbaut auf einem handtuchgroßen Grundstück im Frankfurter Westhafen (150 Meter breit und nur zehn Meter tief), bietet der Achtgeschosser Platz für 74 Mietwohnungen zwischen 60 und 120 m², die gerade einmal 31 kWh/m² jährlich benötigen. Selbst erzeugt das Gebäude rund 35 kWh/m². Bei einer Wohnfläche von insgesamt 6.750 m² ergibt sich daraus ein Plus von 27.000 kWh pro Jahr, die als Energiereserve in einem Stromspeicher zwischengespeichert werden. Soweit so gut. Doch jetzt kommt der Clou: Um das Maximum an Sonnenlicht einfangen zu können, wurden 1.000 hocheffiziente Photovoltaik-Module auf eine 10 Grad gen Süden geneigte Dachanlage montiert und 330 dünnschichtige BIPV-Module (building-integrated-photovoltaic) in die Gebäudehülle integriert. Auf diese Weise lassen sich jährlich etwa 290.000 kWh an elektrischer Energie gewinnen, die den Verbrauch aller Wohnungen für Heizung, Warmwasser, Haushaltsstrom sowie für gemeinschaftlich genutzte Betriebsgeräte (Aufzug, Treppenhausbeleuchtung, etc.) und darüber hinaus für E-Mobilität decken.

 

Miete beinhaltet Strombudget

 

Das Konzept stammt vom leider viel zu früh verstorbenen Architekten Manfred Hegger, der es zusammen mit den Energieexperten der Stuttgarter Ingenieurgesellschaft EGS-Plan von Prof. Dr. Norbert Fisch realisierte. Doch die Technik ist kein Selbstzweck. Im Gegenteil. Durch sie gelingt es der ABG, aus der Kaltmiete eine Warmmiete zu machen, denn der Nutzer mietet die Wohnung inklusive Energieflatrate. So beinhaltet die Miete je nach Wohnungsgröße auch ein Stormbudget von 1.800 bis 2.500 kWh. Genaue Verbrauchs- und Abrechnungsdaten über eine Art Smart Metering macht's möglich. Aufschlussreich war in diesem Zusammenhang auch das von Junker vorgestellte sozialwissenschafltliche Monitoring im Aktiv-Stadthaus. So sind 60,4 % der Mieter sehr zufrieden und 33,9 % eher zufrieden mit ihrer Wohnung. Auch werden die Vorbehalte gegenüber der Technik revidiert, denn 66,7 % hatten zunächst vermutet, dass die verbaute Technik störanfällig sein könnte, was sich jedoch nicht bestätigt hat. Und beinahe die Hälfte der Mieter legt großen Wert darauf, den Energieverbrauch zu kennen. Kurz und gut: Das Aktiv-Stadthaus beweist allen Skeptikern, dass hocheffiziente Gebäude sich rechnen, sie keineswegs wartungsintensiv sind und Nutzer sie gut bedienen können. Was forderte Junker zuletzt? Beim Bauen und Wohnen einfach mal umzudenken und Neues auszuprobieren. In diesem Sinne - packen wir's an!

 

 

 

Text: Dagmar Hotze

Fotos: ABG Frankfurt Holding