Ein Highlight auf der Besichtigungstour durch Oslo: Das neue Opernhaus | Foto: Rolf Beitz
Ein Highlight auf der Besichtigungstour durch Oslo: Das neue Opernhaus | Foto: Rolf Beitz
Gelungene Elektromobilitätsprojekte sorgen für gute Laune  | Foto: Rolf Beitz
Gelungene Elektromobilitätsprojekte sorgen für gute Laune | Foto: Rolf Beitz

QDS in Sachen Elektromobilität auf Studienreise in Oslo

 

Vom 22. bis 23. Mai 2017 hatte die Deutsch-Norwegische Handelskammer und Innovation Norway, die wichtigste internationale Handels- und Wirtschaftsrepräsentanz der norwegischen Regierung, Branchenvertreter aus der Elektrotechnik, Energiewirtschaft und von Elektromobilitätsdienstleistern aus ganz Deutschland zu einer Studienreise nach Oslo zum Thema Elektromobilität eingeladen. Zu den Teilnehmern gehörte auch die Q-Data Service GmbH, vertreten durch Dipl.-Ing. (FH) Rolf Beitz. An zwei Tagen absolvierten die Besucher aus Deutschland gemeinsam mit ihren norwegischen Kollegen, angeführt von Norbert Pestka, Geschäftsführer der Deutsch-Norwegischen Handelskammer und Per Stensland, Projektleiter von Innovation Norway, ein geballtes Informationsprogramm inklusive Exkursion zu einigen Elektromobilitätsprojekten, darunter die Ladegaragen unterhalb der Festung Akershus und im Stadtquartier Vulkan sowie der Supermarkt „Jacobs“ im Osloer Stadtteil Nordstrand. Außerdem wurde ihnen der erste autonom fahrende E-Bus Norwegens vorgestellt.

 

Elektromobilität hat in Norwegen 18 % Marktanteil 

 

Nach seiner Rückkehr zeigte sich Beitz beeindruckt von seinem Ausflug in das elektromobile Musterland hoch oben im Norden Europas, in dem der Marktanteil von Elektroautos dank gezielter Förderung 18 % (!) beträgt. Rund 110.000 Stromer sind mittlerweile in Norwegen unterwegs. Allein im 1. Quartal 2017 gab es 6.982 Neuzulassungen. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Quote bei unter einem Prozent und knapp 34.000 Elektroautos sind zugelassen. „Elektromobilität und die dazugehörige Infrastruktur führen in Norwegen - anders als hierzulande - kein Nischendasein, sondern sind fester Bestandteil von integralen Planungsprozessen unter gemeinsamer Mitwirkung von Energieversogern, Planern, Quartiersbetreibern und staatlichen Organisationen. Im Vergleich zu Deutschland scheint die Elektrifizierung der Mobilität in Norwegen offensichtlich gesellschaftlicher Konsens zu sein. Die Planer zukunftsgerichteter Gebäudetechnik und Systemintegratoren für Smart Building-Technologien haben daran einen nicht unerheblichen Anteil, gerade im Hinblick auf Konzeptionierung und Beratung von Auftraggebern und Investoren. Wir, die QDS, können hier noch viel lernen.“

Ladeinfrastruktur bis an die Haustür

 

In Norwegen findet das Laden von Elektroautos vorwiegend zu Hause und nachts statt, was zum einen am hohen Anteil privater Haushalte in Einfamilienhäusern und zum anderen an der 24h-Verfügbarkeit von Wasserkraft als Quelle für Strom aus Erneuerbaren Energien liegt, hat der Fachmann erfahren. Hierzulande ist hingegen der Wunsch, sein Elektroauto über die heimische Photovoltaik-Anlage zu laden, stärker ausgeprägt. Der Aufbau von privaten Photovoltaik-Anlagen steige zwar auch in Norwegen an, spiele für das Laden von Elektrofahrzeugen aber eine eher untergeordnete Rolle. Zudem ist die Bezahlabwicklung sehr transparent gestaltet: So erhalte der Kunde beim Kauf eines Elektroautos eine RFID-Karte des Netzbetreibers Hafslund Nett (der größte Energiekonzern Norwegens mit 700.000 Kunden) und könne, nach Anlegen seines Kundenkontos im Netz und Angabe seiner Kreditkartendaten, mit dieser Karte an den öffentlichen Ladepunkten in ganz Norwegen laden. Sofern dies nicht ohnehin kostenfrei ist. Dabei sei die Angabe der gewünschten bzw. benötigen Kilowatt und die voraussichtliche Zeit, die das Fahrzeug am Netz hänge, nicht zwingend. Man bekäme dann jedoch nur soviel Strom, wie gerade am Ladepunkt verfügbar ist. Beitz' Fazit: „Vollgeladen wird zu Hause, unterwegs wird zumeist nur nachgeladen.“ So wird der in vielen deutschen Städten geführte Kampf um Ladeparkplätze für E-Autos im öffentlichen Raum in Norwegen erst gar nicht ausgefochten.
 

Restaurantkunden fragen nach Lademöglichkeiten

 

Eine Gleichzeitigkeit des Ladens aller angeschlossenen Fahrzeuge mit 11 bzw. 22 Kilowatt Ladeleistung ist aufgrund der Netzinfrastruktur allerdings auch in Norwegen nicht möglich, berichtet Beitz weiter. Dies gelte sowohl für Privathaushalte als auch für das Gewerbe und sowohl in Mehrfamilienhäusern als auch in öffentlichen Parkmöglichkeiten, wie etwa in der besichtigten Parkgarage unterhalb der altehrwürdigen Festung Akershus. Aufgrund der hohen Kosten für eine derart (über)dimensionierte elektrische Infrastruktur ließe sich dies auch für Neubauten nicht umsetzen. „Als E-Fahrzeugfahrer muss ich also selbst Sorge dafür tragen, genügend Energie für die nächste geplante Tour im Akku zu haben und kann dies beim Parken des Fahrzeugs über die voraussichtliche, zumeist mehrere Stunden betragende, Standzeit und gewünschten Kilowattstunden selbst steuern.“ Sollten sich die Pläne kurzfristig ändern, stehen im Stadtgebiet auch zahlreiche (DC-) Schnellader zur Verfügung.

Das umweltfreundliche Stadtquartier "Vulkan" | Foto: Rolf Beitz
Das umweltfreundliche Stadtquartier "Vulkan" | Foto: Rolf Beitz
"Tesla-Parkplätze" mit Ladesäulen | Foto: Rolf Beitz
"Tesla-Parkplätze" mit Ladesäulen | Foto: Rolf Beitz

Facility Management steht vor Herausforderungen

 

Erkenntnisreich war für ihn der Besuch des neu entwickelten, umweltfreundlichen Stadtquartiers „Vulkan“, wo Elektromobilität zum Konzept gehört. Neben Wohnungen und Bürogebäuden sind hier ein Hotel sowie zahlreiche Restaurants angesiedelt, die eine steigende Nachfrage nach Lademöglichkeiten bei gleichzeitiger Buchungs- und Reservierungsanfrage verzeichnen, erzählt Beitz. Über 100 Ladesäulen stehen hier Bewohnern, Besuchern und Gästen des Quartiers zur Verfügung, darunter auch zwei DC-Schnelladesäulen mit insgesamt vier Ladepunkten, die vorzugsweise zum kurzfristigen Nachladen der Fahrzeuge (bei Planänderungen) dienen. „Ein BMW i3 beispielsweise lässt sich an einem solchen DC-Schnellader in knapp 30 Minuten volltanken (0-80%), wofür ein stationäres Batteriespeichersystem die notwendige DC-Ladeleistung bereitstellt und so die nötige Flexibilität für die E-Automobilisten schafft“, so die stolze Aussage von Isak Oksvold, Quartiersmanager des „Vulkan“. Ein Großteil der übrigen Ladepunkte wurde hier bereits für den „bidirektionalen Betrieb“ ausgelegt, womit der Fahrzeug-Akku seine Energie bei Bedarf auch wieder an das Netz abgeben und somit einen Beitrag zur Netzstabilität leisten kann. „Wir wollten hier bewusst neue Wege gehen und so unser Quartier zukunftsfähig machen. Allerdings sind die Automobilhersteller leider noch nicht so weit und es gibt derzeit lediglich zwei Modelle, die diesen bidirektionalen Betrieb bereits erlauben“, erzählt Oksvold weiter. Außerdem sei der planerische Aufwand hierbei nicht zu unterschätzen und auch der Betrieb der Anlage stelle sie vor große Herausforderungen, da dies für sie als Quartiersbetreiber nicht zum Kerngeschäft gehöre. "Wir hätten uns daher die Unterstützung eines Dienstleisters gewünscht, an den wir auch den Betrieb der Anlage nach der Fertigstellung zusammen mit dem Betrieb des gesamten Quartiers gern auslagern würden“. Das Facility Management steht zukünftig also vor der Herausforderung, Elektromobiltät nahtlos in das Betriebskonzept eines Gebäudes integrieren zu müssen, so Beitz’s Fazit, der dies als „Hausaugabe“ für die Erweiterung der Beratungsdienstleistungen der QDS aus dem Gespräch mitnimmt.

 

Die Buchung und Reservierung der Ladeplätze geschieht hier, wie an den meisten anderen halböffentlichen Standorten, über eine individuelle App. „Was für den Osloer-E-Mobil-Fahrer bedeutet, dass er eine ganze Sammlung an Apps vorhalten muss, um an verschiedenen Ladepunkten unterschiedlicher Anbieter in der Stadt laden zu können.“ Hier koche dann doch jeder sein eigenes Süppchen, so die Erkenntnis. Die vom Supermarkt „Jacobs“ angebotene, kostenfreie Lademöglichkeit werde hingegen nicht so intensiv genutzt, wie im Quartier „Vulkan“. Wahrscheinlich, weil die Verweildauer an der Ladestation vergleichsweise kurz ist und sich das Laden deshalb nicht lohne, entnimmt der Fachmann dem Gespräch mit dem Marktleiter. Auffallend war die hohe „Tesla-Dichte“ (mit großem Akku), was wahrscheinlich auf das benachbarte Villenviertel zurückzuführen ist. 
 

Treiber sind die Energiewende und die Digitalisierung 

 

Welche Schlüsse zieht Beitz aus seiner Studienreise nach Oslo für die hiesige Vorgehensweise? „Bauherren, Investoren, Städte und auch wir müssen Elektromobilität als integralen Bestandteil von gebäudetechnischer Planung begreifen, wenn wir wirklich zukunftsgerichtete Gebäude bauen wollen. Zudem muss Elektromobilität stärker im Zusammenhang mit der Energiewende und der Digitalisierung gedacht und die hierfür erforderliche Infrastruktur in einer möglichst frühen Planungsphase mitberücksichtigt werden. Diese Perspektive wird von den am Bau Beteiligten noch immer viel zu selten eingenommen, auch in unserem Metier, dem der Beratungsunternehmen. Wichtig ist weiterhin Elektromobilität als vernetzten Mobilitätsservice zu sehen und in entsprechend übergreifende Geschäftsmodelle zu integrieren, was besonders am Beispiel des Quartiers „Vulkan“ deutlich wurde. Überaus wertvoll sind für uns auch die Kontakte, die ich während der Studienreise mit anderen Teilnehmern gemacht habe. Hier sehe ich bereits erste Ansätze für eine Zusammenarbeit an bereits bestehenden Projekten in Deutschland. Letztlich ist Elektromobilität ein anspruchsvolle IT-Thema, denn je vernetzter Fahrzeuge funktionieren und als Teil des Internets der Dinge mit ihrer Umwelt interagieren, um so komplexer werden die IT-Lösungen sein müssen. Die Smart City-Konzepte zeigen, vor welchen gravierenden Veränderungen wir stehen. Da QDS sowohl im Bereich IT als auch im Bereich Smart Building berät und plant, sind wir bestens vorbereitet.              

 

 

Text: Dagmar Hotze, Rolf Beitz

Fotos: Rolf Beitz