QDS-Geschäftsführer Reinhard Heymann gibt einen Überblick über Smart Home-Systeme | © Dagmar Hotze
QDS-Geschäftsführer Reinhard Heymann gibt einen Überblick über Smart Home-Systeme | © Dagmar Hotze
Dipl.-Ing. Rolf Beitz erläutert den Zusammenhang eines vernetzten Energiekonzepts mit Elektromobilität und der Blockchain-Technologie | © Dagmar Hotze
Dipl.-Ing. Rolf Beitz erläutert den Zusammenhang eines vernetzten Energiekonzepts mit Elektromobilität und der Blockchain-Technologie | © Dagmar Hotze

Housewarming 2017: Smart Home als Baustein für die Energiewende 

 

Am 15. September 2017 fand zum 7. Mal die Fachtagung "Housewarming" statt, zu der das Kompetenzzentrum der Handwerkskammer Hamburg alljährlich auf den Elbcampus einlädt. In diesem Jahr diskutierten Experten und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung über die Digitalisierung der Energiewende und welche Möglichkeiten sie für die Erreichung der Klimaziele bietet. Im Mittelpunkt stand das Smart Home und die Rolle der Fachgewerke bei der Planung von vernetzten Gebäuden.

 

Intelligente Energieinfrastruktur in der Testphase

 

In die komplexe Thematik führte zu Beginn Prof. Hans Schäfers, stellvertretender Leiter des Competence-Center für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz (CC4E) der HAW Hamburg, ein, der das Forschungsprojekt "NEW 4.0" vorstellte. Hierbei haben sich die Hansestadt Hamburg und das Land Schleswig-Holstein zu einer länderübergreifenden Innovationsallianz mit mehr als 60 Konsortialpartnern zusammengeschlossen, um zu erforschen, wie die Gesamtregion mit 4,5 Millionen Einwohnern bis zum Jahr 2035 zu 100 % mit regenerativ erzeugtem Strom versorgt werden kann. Acht Arbeitsgruppen entwickeln dafür in den nächsten Jahren prototypische Lösungen. Schäfers einstündiger Vortrag verdeutlichte den Kraftakt, der zu leisten ist. Denn nicht nur infrastrukturell müssen die Weichen neu gestellt und technologisch unterschiedliche Systeme miteinander vernetzt werden. Es sind vor allem die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die anzupassen sind. Damit das Forschungsprojekt wie geplant stattfinden kann, war beispielsweise der Erlass einer "SINTEG-Vorordnung" notwendig, die geltende Regularien auf die Testbedingungen zuschneidet.

Vom Elektriker zum "technischen Architekt"

 

Vor welchen Herausforderungen Fachplaner stehen, wenn sich die Energiewende "digitalisiert" und Gebäude künftig Teil der von Schäfers beschriebenen intelligenten Infrastruktur werden, erläuterte neben Dirk Beyer, Gebäudesystemtechniker mit Ingenieurbüro in Neumünster, auch Reinhard Heymann, Geschäftsführer der Q-Data Service GmbH (QDS). Seit über 15 Jahren plant und realisiert sein Unternehmen vernetzte Wohngebäude. Während dieser Zeit haben er und sein Team profunde Kenntnisse über die diversen Gebäudesysteme erlangt, weshalb QDS als Spezialist auf dem Gebiet der Systemintegration gilt. Mod-Bus, BacNet, KNX, LON, DALI, EIB, EnOcean, ZigBee, Z-Wave sind nur einige der Automationsprotokolle, die Elektrotechniker beherrschen müssen, wenn sie Smart Homes realisieren wollen, so Heymann. "Was wir brauchen ist ein "technischer Architekt", der von Beginn an in die Gebäudeplanung eingebunden ist", forderte er.

 

In seiner Präsentation stellte der Experte drei Smart Home-Kategorien auf: Einfache Lösungen, für die kein Elektriker notwendig ist (etwa Produkte, wie sie in Baumärkten angeboten werden), herstellerunabhängige und systemübergreifende Smart Home-Systeme, deren Komplexität unbedingt einen Elektrotechniker und/oder auch Systemintegrator erfordere sowie Smart Home-Lösungen im Hochpreissegment, die ebenfalls nicht ohne Vernetzungsspezialisten auskommt.

 

In Prozessketten denken: Energieeffizinez, Elektromobilität und Blockchain

 

Anschließend erweiterte Dipl.-Ing. Rolf Beitz, Projektleiter bei QDS für Smart Solutions, den Blick und brachte die Energieeffizienz ins Spiel. Denn die intelligente Vernetzung der Gebäude- mit der Energietechnik ermöglicht ein ganzheitliches Energiemanagement in Echtzeit, durch das der Nutzer zu jeder Zeit den kompletten Überblick über seine Energieerträge und -verbräuche hat, so der Fachmann. Zudem erlaubt die Speicherung regenerativer Energien Nutzern künftig den Rollentausch vom Konsumenten zum Prosumenten. Der bis dato passive Energieverbraucher werde zum proaktiven Energieverkäufer bzw- nutzer, der die überschüssige Energie etwa zum Betanken seines Elektrofahrzeugs verwenden kann oder aber veräußert. Beitz' Ideen gingen bis zur Blockchain-Technologie, mit deren Hilfe sich die Geschäftsprozesse rund um den Energietransfer einfach und transparent abwickeln lässt.

 

Tagesfazit: Die Digitalisierung der Energiewende ist in vollem Gange und verändert die Rolle der Fachgewerke gravierend. Ausnahmslos alle am Bau Beteiligten sind gehalten, ein umfassendes Verständnis für eine zusammenhängende Gebäudeplanung zu entwickeln. Man darf also gespannt sein auf die nächste Housewarming in 2018.

 

Hier finden Sie alle Vorträge zum Herunterladen.

Dipl.-Ing. Rolf Beitz und QDS-Geschäftsführer Reinhard Heymann (v.l.) bei der lebhaften Fragerunde, die nach ihren Vorträgen folgte. | © Dagmar Hotze
Dipl.-Ing. Rolf Beitz und QDS-Geschäftsführer Reinhard Heymann (v.l.) bei der lebhaften Fragerunde, die nach ihren Vorträgen folgte. | © Dagmar Hotze