Am Stand von Phoenix Contact wird der Weg vom konventionellen Gebäude zum Smart Building anschaulich dargestellt | Bildquelle: Messe Frankfurt Exhibition GmbH, Foto: Jens Liebchen
Am Stand von Phoenix Contact wird der Weg vom konventionellen Gebäude zum Smart Building anschaulich dargestellt | Bildquelle: Messe Frankfurt Exhibition GmbH, Foto: Jens Liebchen
Auf dem Intersec Forum berichtet Dr. Nicolas Krämer, Kaufm. Geschäftsführer der Städt. Kliniken Neuss, über die Cyberattacke, die Erpresser 2016 auf das Krankenhaus verübten | Bildquelle: Messe Frankfurt Exhibition GmbH, Foto: Sandra Gätke
Auf dem Intersec Forum berichtet Dr. Nicolas Krämer, Kaufm. Geschäftsführer der Städt. Kliniken Neuss, über die Cyberattacke, die Erpresser 2016 auf das Krankenhaus verübten | Bildquelle: Messe Frankfurt Exhibition GmbH, Foto: Sandra Gätke

Light & Building 2018: Systemintegratoren und IT-Spezialisten verzweifelt gesucht!

 

Die zunehmende Digitalisierung der Gebäudeinfrastruktur, die Kopplung von Energie und Mobilität sowie Fragen der IT-Sicherheit von Gebäuden bescheren der diesjährigen Light & Building einen neuen Rekord: Über 2.700 Aussteller aus 55 Ländern präsentieren ihre Weltneuheiten für Licht, Elektrotechnik, Haus- und Gebäudeautomation sowie Sicherheitstechnik auf über 260.000 Quadratmetern Fläche, verteilt auf 25 Hallenebenen.

 

Wer sich einen umfassenden Überblick über die aktuellen Trends in der professionellen Haus- und Gebäudeautomation verschaffen möchte, besucht die Halle 11.0. Hier stellt beispielsweise Global Player Phoenix Contact aus, der den Entstehungsprozess eines Smart Buildings zum Anfassen an seinem Stand (D.70) darstellt, inklusive der späteren Gebäudebewirtschaftung per VR-Brille. Von der Klemme über Switches bis zum Schaltschrank können Fachplaner und Handwerker die gesamte Netzwerktechnik ausprobieren und sehen, welche Auswirkungen das Drehen an einer digitalen "Stellschrauben" auf eine andere im Gebäudekreislauf hat. Auch die für viele Planer abstrakte Thematik der Building IoT wird praktisch erfahrbar. Beeindruckend ist zudem die Gebäudemanagementsoftware "Emalytics" in Echtzeit zu erleben. Alles, was im Gebäude passiert, wird von ihr registriert, analysiert und weiterverarbeitet. Nach dem Rundgang über den Stand ist klar: Ein vernetztes Gebäude zu realisieren ist nur leistbar, wenn man die tradierten Planungspfade verlässt und auf den integralen Weg umschwenkt. Andernfalls wird man der anspruchsvollen Aufgabe kaum gerecht. Zwar erhält der Auftraggeber ein Gebäude, das technisch funktioniert, aber keines, das zukunftsfähig ist. 

 

Auch am Stand von Siemens (B.56) ist man bestrebt, die Verschmelzung bisher getrennt voneinander betrachteter Sektoren, allen voran der Bereich Energie, umfassend zu vermitteln. Zentral für ein zukunftsfähiges Gebäude ist etwa ein Energiemanagementsystem, das zu jeder Zeit Tranzparenz über Verbräuche, Gewinnung und Speicherung informiert und vorausschauend berechnet, wann wo welche Bedarfe anfallen. Spannend für Architekten ist darüber hinaus eine Softwarelösung, die auf einfache Art die Planungen mit BIM ermöglicht und so die Zusammenarbeit mit den Gewerken digitalisiert.  

 

Wer Smart Building plant, muss IT-Risikoclusterung vornehmen

 

Wer angesichts der vielen smarten Möglichkeiten die Halle 11.0 eurphorisch verlässt, sollte zum Herunterkühlen das Intersec Forum in Halle 9.1 besuchen. Am Montag, den 19. März 2018, berichtete hier Dr. Nikolas Krämer, kaufmännischer Geschäftsführer der Städtischen Kliniken Neuss, vom Cyberangriff, mit dem das Lukaskrankenhaus in 2016 erpresst wurde. Innerhalb weniger Minuten hatten Hacker die gesamte IT gekapert und den Krankenhausbetrieb lahmgelegt. Danach hieß es rien ne va plus, außer es wird ein Lösegeld in Millionenhöhe in Bitcoin bezahlt. Das Krankenhaus reagierte richtig: Es switchte auf manuellen Betrieb um und verständigte die Polizei. Der oder die Täter sind bis heute nicht gefasst. Lösegeld wurde zwar nicht gezahlt, aber das Krankenhaus musste seine IT komplett neu aufsetzen - und hat ein Awarenessprogramm für Mitarbeiter aufgelegt. Denn gegen den Faktor Mensch hilft auch das durchdachteste IT-Sicherheitskonzept nichts.

 

Aufschlussreich war außerdem der Vortrag von Philipp Rothmann, dessen Firma dhpg IT-Services, sich auf IT-Sicherheitskonzepte für Gebäude und gebäudetechnische Infrastrukturen spezialisiert hat und sich auf die IT-Risikoanalyse versteht. Er plädierte eindringlich für ein IT-Risikoclustering, um so vorbeugend mögliche Gefahrenherde identifizieren und eingrenzen zu können, damit im Falle eines Falles nicht die gesamte IT betroffen ist. Allerdings setzt das ein deutlich stärkeres Bewusstsein für IT-Sicherheitsrisiken bei Entscheidern und Anwendern voraus. Hier ist noch ein weiter Weg zu gehen, so das Fazit des Experten.

 

 

 

 

 

Text: Dagmar Hotze

Fotos und Video: Frankfurt Messe Exhibition GmbH