Gehört dem aktiven Solarhaus die Zukunft? | © Dagmar Hotze
Gehört dem aktiven Solarhaus die Zukunft? | © Dagmar Hotze
Dipl-Ing. (FH) Rolf Beitz (li.) zeigte Chancen, die eine vernetzte Gebäudetechnik für eine effiziente Gebäudeperformance bietet | © Dagmar Hotze
Dipl-Ing. (FH) Rolf Beitz (li.) zeigte Chancen, die eine vernetzte Gebäudetechnik für eine effiziente Gebäudeperformance bietet | © Dagmar Hotze

ZEBAU-Jahrestagung "Effiziente Gebäude": Zwischen Dämmen und Digitalisieren

 

Über 200 Teilnehmer besuchten die ZEBAU-Jahrestagung "Effiziente Gebäude" im Empire Riverside Hotel in Hamburg, um sich über aktuelle Entwicklungen und Konzepte im Bereich energieeffizienter Gebäude zu informieren und auszutauschen. Ein kompaktes Programm erwartete die Architekten, Energieberater, Fachplaner und Verantwortlichen aus der Bau- und Immobilienbranche, das von der energetisch optimierten Gebäudehülle über regenerativ erzeugte Energien bis zu Lebenszyklusbetrachtungen reichte, vorgestellte von Referenten namhafter Institutionen, darunter das Institut für Gebäude- und Solartechnik der TU Braunschweig, der Verein AktivPlus und das Münchener Ingenieurbüro Hausladen.

 

Fehlende Datenbasis über Gebäudezustand

 

Erinnern wir uns kurz zu Beginn: Im Jahr 2008 wurde der Energieausweis eingeführt, dessen Verbrauchswerte mittlerweile verpflichtend in Immobilienanzeigen anzugeben sind. Zigtausend Wohn- und Nichtwohngebäude wurden seitdem für etliche Milliarden Euro energetisch saniert. Exakte Zahlen über Anzahl und Kosten gibt es jedoch nicht. Allenfalls die pro Jahr erbrachten Bauleistungen an bestehenden Gebäuden geben darüber Auskunft, die einzig das DIW Berlin per makroökonomischer Modellrechnung plausibilisiert und hochrechnet. Danach wurde bis 2015 in jeder siebten Wohnung mindestens eine energetische Sanierungsmaßnahme durchgeführt (Wärmedämmung, Fensteraustausch, Heizungserneuerung, etc.). Auf rund 224 Milliarden Euro beläuft sich die zwischen 2010 und 2015 akkumulierte Investitionssumme. Bei der Ertüchtigung von Zweckbauten ist die Datenlage schlechter. Knapp 60 Milliarden dürften hier investiert worden sein, schätzt das BBSR in seiner im Dezember 2016 veröffentlichten Analyse "Datenbasis zum Gebäudebestand"

Monitoring bisher kaum verbreitet

 

Dieses Datenloch verdeutlicht das Dilemma, in dem die Gebäudeeffizienz - und damit auch die Tagung - steckt: Wenn keine Transparenz darüber besteht, mit welcher Maßnahme was erreicht wurde, ist es schwierig zu beurteilen, wie es künftig weitergeht. Mehrere Vortagsredner kritisierten denn auch den Mangel an Daten, darunter die Dipl.-Ing. Architektin Ulrike Leidinger, die bei der Stadt Aachen für das Gebäudemanagement zuständig ist und den "Aachener Standard" vorstellte. Dabei handelt es sich um vorgegebene Richtwerte und konkrete Zielbeschreibungen für kommunale Neubauten, Sanierungen und Erweiterungen, um den eigenen Ansprüchen an energiebewusstes Bauen und Betreiben zu entsprechen. Wohlgemerkt, den "eigenen". Denn eine verbindliche Definition gibt es (bisher) nicht. Deshalb hätten viele von Monitoring noch nie gehört, so ihr ernüchterndes Fazit. 

 

Aktivgebäuden gehört die Zukunft

 

Dass dies nicht so bleiben muss, zeigte Dipl.-Ing. Franziska Bockelmann vom Institut für Gebäude- und Solartechnik der TU Braunschweig. Sie stellte mehrere gebaute Beispiele für EnergiePLUS-Gebäude vor, bei denen die Vernetzung der Haus- mit der Energietechnik wesentlich für ein effektives Energiemanagement ist. Der Clou: Die Nutzer können sich in Echtzeit über den erzeugten Solarstrom informieren und ihren Energieverbrauch sehen. Vielsagend war, dass Bockelmann die einzige Plenumsrednerin war, die auf eine zusammenhängende Planung von Gebäude, Energie und Mobilität hinwies, um nicht nur ein effizientes, sondern vor allem zukunftsfähiges Gebäude zu realisieren.

 

Digitalisierung ist Chance für mehr Datentransparenz 

 

In den anschließenden Nachmittagsforen ging es dann um die Zukunftsthemen Digitalisierung der Energiewende und von Gebäudeinfrastrukturen. Aufschlussreich war insbesondere der Vortrag von Dipl.-Ing. (FH) Rolf Beitz, Projektleiter SmartSolutions bei der Q-Data Service GmbH, der die komplexe Materie sogar bis zur Blockchain-Lösung durchdeklinierte und prophezeite, dass diese den Strommarkt in den nächsten Jahren grundlegend verändern werde.

 

Ebenso inspirierend waren die Ausblicke, die Tobias Kalb von Honeywell und Dr. Stefan Plesser vom Institut für Gebäude- und Energietechnik der TU Braunschweig, gaben. Sie konzentrierten sich ganz auf intelligente Gebäude, die Teil des Internets der Dinge sein und deren Betrieb cloudbasiert funktionieren werde. Zum Schluss waren sich Anwesende und Referenten einig, dass die Digitalisierung den Blick auf Gebäude in naher Zukunft radikal verändert wird. Dieser Perspektivenwechsel biete jedoch die große Chance, Energiedaten endlich umfassend messen und daraus profunde Ableitungen für eine optimale Performance vornehmen zu können. Ein kleiner Schritt für Fachleute, ein großer Schritt für die betroffenen Branchen.

 

Alle Vorträge können Sie hier herunterladen.

 

 

Text & Fotos: Dagmar Hotze